

C Vergaldatal im Montafon (c) Sabrina Bechtold - Vorarlberg Tourismus
Naturtipps Vorarlberg
Lebensraum Gebirge
Das Gebirge, so wild und unnahbar es auch erscheinen mag, ist aber auch voller Leben.
Karge Böden, hohe UV-Strahlung, stark schwankende Temperaturen innerhalb eines Tages, starker Wind und lange Winter. Das Gebirge, so wild und unnahbar es auch erscheinen mag, ist aber auch voller Leben. Denn gleichzeitig ist die Bergwelt mit ihren saftigen Wiesen, ihrer Artenvielfalt und den warmen Sommermonaten ein ganz besonderer Lebensraum. Und bei genauerem Hinsehen offenbart sich eine faszinierende Vielfalt von Organismen, die es geschafft haben, sich an diese harten Bedingungen anzupassen.
Die Gebirgslebensräume stellen einige der letzten unberührten Naturräume in Vorarlberg dar und werden von einer Vielzahl an Tier- und Pflanzenarten bewohnt. Zwei Drittel der Vorarlberger Landesfläche liegt über 1.000 m Seehöhe und sogar 10% der Fläche sind Felslebensräume. Dies zeigt, dass Vorarlberg vom Gebirge geprägt ist und diese Lebensräume einen wichtigen Teil der Ökosysteme in Vorarlberg darstellen. Denn hier entfaltet sich ein Lebensraum voller Kontraste in dem sich Lebewesen an eine vielfältige Umgebung angepasst haben.
Die Alpwirtschaft spielt in den Lagen zwischen 1.500 m und ca. 2.500 m Seehöhe eine große Rolle, denn die artenreichen Bergmagerwiesen würde es ohne die sanfte Bewirtschaftung in den letzten Jahrhunderten in diesem Ausmaß in Vorarlberg nicht geben. In den höheren Lagen spielt der Mensch dann eine geringere Rolle. Felslandschaften wechseln sich mit Gebirgsrasenflächen ab und bieten den spezialisierten Tieren und Pflanzen ihre Heimat. Hier treffen wir auf Steinböcke, Steinadler, Edelweiß und Enziane. Aber auch auf weniger bekannte Arten wie den Mauerläufer, die Gemsheide oder den kleinsten Baum der Welt – die Krautweide.
Neben den ökologischen Faktoren stellt auch die Geologie in Vorarlberg eine Besonderheit im Gebirge dar. Von Süd nach Nord erstrecken sich fünf geologische Zonen mit unterschiedlichen Einflüssen auf die Lebensräume. Vom Silvretta Kristallin im Süden über die Nördlichen Kalkalpen, das Penninikum und das Helvetikum bis hin zur Molassezone mit ihren jüngeren Gesteinen im Norden Vorarlbergs bildet die Geologie eine der Grundlage für die Artenvielfalt in unseren Gebirgslebensräumen und ladet dazu ein, die Natur in Vorarlberg auf faszinierenden Wanderungen zu erleben.
Edelwis und Fingerkraut
wachsand in da steilsta Wänd,
scho etle hots do aber’ghaut
mit dene Blüamle in die Händ.
Naturtipps im Lebensraum Gebirge
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01 Landkartenflechte - Zeitzeugen am Berg
Landkartenflechten (Rhizocarpon geographicum) sind bemerkenswerte Organismen, die eine einzigartige Symbiose zwischen einem Pilz und einer Alge eingehen. Ihre charakteristischen Muster entstehen durch die pigmentierte Schicht der Alge im Inneren der Flechte, die auf den Felsen projiziert wird und durch den weißen Pilz kontrastiert wird. Diese Flechten wachsen äußerst langsam, oft nur wenige Millimeter pro Jahr, und können daher gut zur Altersdatierung genutzt werden. Hat eine Flechte z.B. einen Durchmesser von 100 mm, dann war das Gebiet voraussichtlich vor 100 Jahren schon eisfrei.
Schutz und Erhaltung: Landkartenflechten kommen in Vorarlbergs Bergen relativ häufig vor. Jedoch sollte man darauf achten, dass man nicht abseits der Wege läuft, da die Flechten durch Trittschäden oder durch das Abbrechen an Kletterrouten beschädigt werden können.
Tipp zum Erleben: Landkartenflechten können in Vorarlberg überall dort entdeckt werden, wo Silikatgestein vorkommt. Vor allem im Montafon, aber auch in einzelnen Regionen vom Großen Walsertal, dem Bregenzerwald und im Kleinwalsertal.
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02 Fettkraut - Eine Fleischfresserin am Berg
Das Fettkraut (Pinguicula vulgaris) ist ein echter Überlebenskünstler und zählt zur Gruppe der Wasserschlauchgewächse. Mit seinen dicken, länglichen, als Rosette angeordneten Blättern kann es Kleinstlebewesen (Ameisen, Fliegen, Käfer, etc.) fangen und diese verdauen. Diese Eigenschaft ermöglicht es dem Fettkraut auch an besonderes nährstoffarmen Standorten, wie z.B. Flachmooren, überleben zu können.
Schutz und Erhaltung: Das gewöhnliche Fettkraut kommt in Vorarlberg noch relativ häufig vor, allerdings sind die meist von Wasser geprägten Lebensräume weiterhin im Rückgang. Entwässerungsmaßnahmen, zusätzliche Nährstoffeinträge durch Düngemittel etc. bedrohen und zerstören diese besonderen und hochwertigen Gebiete. Wiedervernässungen, eine angepasste Landwirtschaft und ein Verbleiben auf markierten Wegen beim Wandern und Spazieren helfen die Lebensräume des Fettkrautes zu erhalten.
Tipp zum Erleben: Das gewöhnliche Fettkraut kann an Quell- und Flachmooren, an Quellaustritten, aber auch oft an locker bewachsenen, mäßig sauren Böden gefunden werden. Es kommt sehr verstreut und besonders in den Hochlagen vor.
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03 Schneehuhn - Ein Meister der Tarnung
Das Alpenschneehuhn (Lagopus muta) ist ein faszinierendes Tier im Hochgebirge. Sein Federkleid variiert je nach Jahreszeit von schneeweiß im Winter bis zu einer getarnten, bräunlichen Farbe im Sommer. Diese Anpassungsfähigkeit ermöglicht es ihm, in den schneebedeckten Höhenlagen der Alpen zu überleben, ohne von Raubtieren leicht entdeckt zu werden. Außerdem hat es spezielle Fußstrukturen, die es ihm ermöglichen, auf Schnee zu laufen, ohne einzusinken. Bei großer Kälte und widrigen Bedingungen gräbt sich das Schneehuhn eine Schneehöhle, um sich so vor der Kälte zu schützen. Das Alpenschneehuhn bevorzugt offene alpine Landschaften, in denen es sich von Kräutern, Beeren und Insekten ernährt.
Schutz und Erhaltung: Obwohl das Alpenschneehuhn erstaunliche Überlebensstrategien entwickelt hat, steht es dennoch vor Herausforderungen. Der Klimawandel und die Zerstörung seines Lebensraums sind Bedrohungen für diese faszinierende alpine Vogelart.
Tipp zum Erleben: Beim Wandern, Bergsteigen, Schitouren oder Schneeschuhwandern in den Bergen sollten wir uns bewusst sein, dass diese Tiere hier ihren Lebensraum haben. Es liegt in unserer Verantwortung, diese sensiblen Lebensräume zu schützen. Schneehühner können in Vorarlberg auf vielen Gipfeln oberhalb von 2.000 m beobachtet werden. Wichtig ist dabei, immer genügend Abstand zu halten – am besten mit einem Fernglas beobachten – und Hunde an der Leine zu führen.
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04 Edelweiß - Die Blume der Ewigkeit
Das Alpen-Edelweiß gehört zur Familie der Korbblütler und ist wahrscheinlich die bekanntesten Blume in den Alpen. Obwohl sie als Symbol der Alpen gilt, kommt sie ursprünglich aus den Hochsteppen Zentralasiens. Ihr Erkennungsmerkmal sind ihre wollig-weißfilzigen oberirdischen Pflanzenteile. Die eigentlichen Blüten sitzen zu vielen Hunderten, in einzelne Blütenkörbe organisiert, inmitten des Sterns beisammen. Dadurch dass das Edelweiß sehr lange im Sommer seine Form und Farbe erhält, ohne zu verwelken, wurde es früher auch oft als die „Unsterbliche der Alpen“ bezeichnet.
Schutz und Erhaltung: Aufgrund ihrer Seltenheit ist das Edelweiß in Vorarlberg als eine der ersten Pflanzen seit über 100 Jahren komplett unter Schutz gestellt.
Tipp zum Erleben: Das Edelweiß bevorzugt alpine Rasen mit Kalkgestein auf einer Höhe von ca. 1.800 – 3.000m. Zwar besiedelt es auch Felsbänder, doch wird es vermehrt auf alpinen Rasen gefunden. Da es bei uns streng geschützt ist, darf es auf keinen Fall gepflückt werden.
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05 Alpensalamander - Ein Meister der Anpassung in den Alpen
Der Alpensalamander (Salamandra atra) hat sich perfekt an die Bedingungen und den Lebensraum in den Alpen angepasst. Er lebt in Höhenlagen zwischen 600 und 2.600 Metern zwischen schattigen Wäldern bis zu alpinen Wiesen und Felsen. Im Winter verstecken sie sich unter Steinen und in Felsspalten, um sich vor der Kälte zu schützen. Sobald der Schnee schmilzt und der Frühling eintrifft, kommen sie aus ihrem Versteck und nutzen die wärmeren Temperaturen, um zu fressen und sich fortzupflanzen. Die Fortpflanzung des Alpensalamanders ist besonders beeindruckend. Das Weibchen kann nach der Paarung das Sperma in einer eigenen Spermatasche einlagern und bis zu zwei Jahre nach der Paarung das Sperma zur Befruchtung „aktivieren“. Im Gegensatz zu den meisten Amphibien legt das Weibchen keinen Laich ins Wasser, sondern bringt 1 bis 2 lebende Jungtiere zur Welt. Die jungen Salamander sind bereits vollständig entwickelt wenn sie zur Welt kommen.
Schutz und Erhaltung: Die zunehmenden Temperaturen und die Veränderung der Niederschlagsmuster können seine Lebensbedingungen beeinflussen. Wie alle anderen Amphibien auch ist der Alpensalamander in Vorarlberg geschützt.
Tipp zum Erleben: Die besten Chancen, einen Alpensalamander zu entdecken, hat man auf Wanderungen an regnerischen Tagen oder kurz danach, vor allem zwischen Mai und August.