
C Wiese der Alpe Streichbrunnen (c) Dietmar Denger - Vorarlberg Tourismus
Naturtipps Vorarlberg
Lebensraum Wiese
Vorarlberg ist geprägt von einer abwechslungsreichen Landschaft mit zahlreichen Wiesenflächen, die viele bedeutende ökologische Funktionen erfüllen und Naherholungsraum für uns Menschen darstellen.
Dass es so viele Wiesen und Weiden in Vorarlberg gibt, dafür ist hauptsächlich der Mensch verantwortlich. Ohne seine Einwirkung wäre der Wald auf vielen Flächen der vorherrschende Lebensraumtyp, Wiesen gäbe es nur oberhalb der Waldgrenze oder dort wo keine Wälder aufkommen können, wie auf Mooren oder in dynamischen Flussauen. Mit Beginn der Siedlungsgeschichte geht auch die Entstehungsgeschichte des Grünlandes einher. Die Nutzung von Wiesen ist eine jahrhundertalte Bewirtschaftungsform in unserem Land. Um das Vieh über den Winter zu bringen, musste Heu als Vorrat angelegt werden, so entstanden die ersten Heuwiesen. Nachweise für diese Entwicklung führen bereits ins frühe Mittelalter zurück.
Aber nicht nur der Mensch hat das Erscheinungsbild stark geprägt, sondern vor allem auch die letzten Eiszeiten sind entscheidend dafür, wie die Landschaft heute aussieht. Die Reste der Ablagerungen und die Moränenreste der Gletscher bilden heute den Boden in den Hang- und Tallagen. Insbesondere die Hanglagen sind sehr fruchtbar und ein Grund für die Arten- und Wiesenvielfalt in Vorarlberg.
Die vielfältigen Wiesen in Vorarlberg sind nicht nur Lebensraum für Pflanzen, sondern auch für zahlreiche Tierarten. Je nach Bewirtschaftung und Standortfaktoren bilden sich unterschiedliche Pflanzengemeinschaften auf einer Wiese aus, welche wiederum Lebensgrundlage für die Tier-, vor allem der Insektenwelt sind. Blütenbestäubende Insekten, wie Honigbienen, Wildbienen, Hummeln, Schmetterlinge und Co. sind auf Kräuter und Blumen als Nahrungsquelle angewiesen.
Daher – Artenvielfalt braucht bunte Wiesen!
Dort, wo nicht oder nur mäßig gedüngt wird, die Nährstoffe also eher knapp sind, können sich Blütenpflanzen besser durchsetzen, da sie weniger Konkurrenz von Gräsern erhalten. Extensiv genutzte Wiesen werden außerdem nur einmal im Jahr gemäht und auch erst dann, wenn die Pflanzen bereits geblüht haben. Dadurch haben sie genügend Zeit ihre Samen auszubilden, die sie für die Vermehrung benötigen. Solche Wiesen weisen eine besonderes hohe Blüten- und Insektenvielfalt auf. Diese Bergmagerwiesen finden wir in den höheren Lagen in Vorarlberg und sie zählen zu den artenreichsten Ökosystemen der Welt. Diese artenreichen Bergwiesen beheimaten auf ihrer Fläche gesehen mehr Arten, als auf vergleichbaren Flächen im tropischen Regenwald zu finden sind. Und dies gilt nicht nur für die Pflanzen. Denn je mehr Blumen, desto mehr Wiesenbewohner.
Naturtipps im Lebensraum Wiese
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01 Frühlingskrokus - Gut verwurzelt in die neue Vegetationsperiode
Eine große Unverfrorenheit gehört wohl zu allen Pflanzen aus der Gattung der Krokusse. Besonders winterhart sind die in Vorarlberg heimischen Frühlingskrokusse, die zu den ersten gehören, die im neuen Jahr zu blühen beginnen. Eng verwandt mit der berühmten Safran-Pflanze bildet auch sie große Knollen als Überdauerungsorgane, die ganzjährig unter der Erde verborgen liegen: Energie, die durch die Photosynthese im Vorjahr gewonnen wurde, wird in diesen Knollen gespeichert, um im Frühjahr zu den ersten zu zählen, die ihre Blütenpracht vorbeifliegenden Insekten anbieten können. Mit ihren weiß bis lila gefärbten Kronblättern bilden sie eine erste Anlockstelle für hungrige Hummeln, die bereits ab 6°C flugfähig sind.
Tipps zum Erleben
Wer den etwa 5-15 cm hohen Frühlingskrokus in natura sehen will, begibt sich nach der ersten Schneeschmelze an die Sonnenhänge Vorarlbergs. Besonders beliebt sind Standorte zwischen 1000 – 1400 Metern über dem Meer. -
02 Huflattich - Fast Food für Bienen
Der etwas humoristisch gewählte Titel für den Huflattich (Tussilago farfara) erklärt sich gleich im ersten Moment durch ihre Strategie als Frühblüher. Bereits Ende Februar sprießen überall gelbe Blütenköpfe aus dem Boden, ohne dass auch nur das geringste Grün auf dieses Ereignis hinweist. Etwas untypisch tanzt diese Art damit aus der Reihe und bietet Fluginsekten eine erste, schnelle Nahrung im sonst noch kargen Frühlingsangebot. Erst etwas später treiben die herzförmigen Laubblätter aus.
Tipps zum Erleben
Wer die gelben Blütenstände entdecken möchte, macht sich am besten zeitig im Jahr auf den Weg auf einen der zahlreichen Wanderwege in Vorarlberg. Nicht selten entdeckt man direkt am Wegesrand die spinnwebig behaarten Blütenstände, die etwas an Löwenzahn erinnern. -
03 Zitronenfalter
Der Zitronenfalter hält einen besonderen Rekord in der Schmetterlingswelt. Er schafft es als einzige Art Mitteleuropas, eine Lebenszeit von zwölf Monaten zu erreichen. Während andere Falter im Herbst ihren Lebensabend verbringen, startet das zitronengelbe Insekt nochmal munter durch. Da ist selbst der kalte Winter in Vorarlberg kein Hindernis. Durch das eingelagerte Glycerin, das wie eine Art Frostschutzmittel wirkt, wird ein Einfrieren innerhalb der Zellen verhindert. Einzig im Mai und Juni sind die schönen Flugkünstler nicht zu entdecken – diese Zeit verbringen sie als Raupen an Blattoberflächen.
Tipps zum Erleben
Beobachten lässt sich der Zitronenfalter quer über Vorarlberg verteilt. Er lebt sowohl in feuchten als auch in trockeneren Gebieten und steigt je nach Witterung auf knapp 2.800 m Seehöhe auf. -
04 Brachvogel
Vorarlberg hat für den Großen Brachvogel eine besonders hohe Verantwortung. Jährlich treten hunderte dieser Watvögel ihre Reise in die Winterquartiere an. Dafür bildet das Rheindelta am Bodensee einen willkommenen Rastplatz, um die Kraftreserven wieder aufzufüllen. Als bodenbrütende Art ist der Große Brachvogel stark von landwirtschaftlicher Intensivierung betroffen. Genau aus diesem Grund sorgen große Naturschutzprojekte in Vorarlberg dafür, dass genügend naturnahe Flächen zur Verfügung stehen, die eine Vielfalt an Würmern und Schnecken hervorbringen.
Tipp zum Erleben
Wer diesen beeindruckenden Vogel sehen möchte, rüstet sich am besten mit einem Fernglas aus und besucht die großen Riedflächen im Vorarlberger Unterland. Dabei gilt es, stets auf den Wegen zu bleiben. Oder nimmt bei einer geführten Birdwatching-Touren mit Vorarlberger Naturführer:innen teil. Da die Brachvogel-Population stark unter Druck steht, sollte man in den Riedgebieten im Rheintal besonders rücksichtsvoll unterwegs sein. Hunde müssen immer an der Leine geführt werden. -
05 Kiebitz - Der Flugkünstler des Rheintals
Wer aufmerksam in den großen Riedflächen Vorarlbergs unterwegs ist, kann mit etwas Glück futuristische Klänge wahrnehmen. Wenn der Kiebitz im Frühling seine kunstvollen Balzflüge unternimmt, klingt es nämlich fast so, als würde uns ein Geschöpf aus der Zukunft besuchen. Die Zukunft des Vogels selbst sieht jedoch ziemlich ungewiss aus. Die Bestände nehmen durch Lebensraumverluste und Druck von Räubern wie Fuchs und Co. ständig ab. Die früher als Delikatessen verzehrten Eier stehen heute deshalb unter strengem Naturschutz.
Zahlreiche Projekte, die teils von ehrenamtlichen Helfer:innen umgesetzt werden, versuchen die Bestände in Vorarlberg hochzuhalten. Das gelingt immer dann, wenn Naturschutz, Landwirtschaft und Naturbegeisterte an einem Strang ziehen.
Tipp zum Erleben
Wer einmal den besonderen Ruf des Kiebitz hören und seine Flugkünste beobachten möchte, kann das am besten auf einer geführten Birdwatching-Touren mit Vorarlberger Naturführer:innen oder im Rahmen einer Exkursion von Birdlife-Vorarlberg erleben. Auf individuellen Wanderungen sollte man immer rücksichtsvoll unterwegs sein und Hunde an der Leine führen.